Angesichts der steigenden Nachfrage nach städtischen Wohn- oder Nutzflächen war der Schwerpunkt der diesjährigen bauschaden-Fachtagung mit der „Instandsetzung von erdberührten Bauteilen“ treffend gewählt. Kellerräume geraten durch diese Entwicklung zunehmend in den Fokus, da ihre Modernisierung noch Flächen-Potenzial birgt. Vor der Modernisierung steht aber oft eine Instandsetzung, da Leckagen und Feuchteschäden für die höherwertige Nutzung zunächst beseitigt werden müssen. Die über 100 Teilnehmer der bauschaden-Tagung 2018 erhielten in sieben Vorträgen eine Vielzahl praxisnaher Informationen und Tipps zur Umsetzung entsprechender Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Nachträgliche Bauwerksabdichtung im Fokus

Das nachträgliche Abdichten gehört zu den häufigsten Instandsetzungsmaßnahmen an erdberührten Bauteilen. Daher widmeten sich drei der Referenten den einschlägigen Verfahren. Franz-Josef Hölzen, Sachverständiger für das Holz- und Bautenschutzgewerbe, beantwortete zunächst die Frage, ob die DIN 18533 im Bestand anwendbar ist. Sein Fazit: Bauwerksabdichtungen nach den Anforderungen der DIN sind im Bestand zwar nicht umsetzbar, jedoch können die dort angegebenen Wassereinwirkungs-, Riss- und Raumnutzungsklassen in der Planung zur Orientierung angenommen werden.

Im Anschluss zeigte Frank Gerst, Vizepräsident des Deutschen Holz- und Bautenschutzverbands und Mitinhaber der Drytech Group, anschaulich und mit einer großen Portion Baustellenhumor, wie mit Acrylharz-Injektionen eine vertikale Abdichtung hergestellt werden kann. Jürgen Weber, u. a. Sachverständiger für Holz- und Bautenschutz sowie für den Feuchteschutz von Mauerwerk, ging abschließend auf die Verfahren zur Horizontalabdichtung ein. Aus seiner langjährigen Praxiserfahrung berichtete er über Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren und ging insbesondere auf deren Wirksamkeit ein. Zur Sprache kamen neben den anerkannten (z. B. mechanischen) auch die elektro- sowie paraphysikalischen Verfahren. Dabei konnten die Teilnehmer während der Pause gleich einige Beispiele der erwähnten „Erdstrahlenentstörgeräte“ vor Ort inspizieren.

Flankierende Maßnahmen von der Baugrund-Stabilisierung bis zur Dämmung

Wenn Setzungen Risse, Leckagen oder andere Schäden verursachen, ist der Baugrund zunächst zu verstärken, bevor weitere Maßnahmen in Angriff genommen werden können. Axel Bergforth, der mehrere Jahre Erfahrung als Baugrundgutachter sammelte und heute für URETEK Deutschland fachtechnisch berät, stellte hierzu Stabilisierungslösungen mithilfe von Injektionen vor. Anhand von Beispielen zeigte er anschaulich z. B. die Auswirkungen eines gebäudenahen Baumbestands oder des Klimawandels auf den Baugrund.

Als weitere Modernisierungsmaßnahmen kamen die nachträgliche Dämmung und die mechanische Lüftung zur Sprache. Ute Jaroch, Sachverständige für Wärme- und Feuchteschutz, stellte dazu die Anforderungen an Dämmmaßnahmen vor, bevor sie deren bauphysikalische Auswirkungen auf erdberührte Bauteile zeigte. Dipl.-Ing. Martin Giebeler ergänzte mit Hinweisen, in welchen Fällen im Rahmen einer Instandsetzung eine mechanische Lüftung unterstützen kann. Ferner stellte er entsprechende Systeme vor.

Zusammen mit der Fachausstellung und vor der historischen Kulisse der Residenz Würzburg freuten sich die Teilnehmer über einen gelungenen Tag.