Im Detail

Schallentkopplung von Estrichen

Auf diese Details kommt es bei der Planung und Ausführung der Estrichrandfuge an

Text: Guido Dietze | Foto (Header): © Wolfilser – stock.adobe.com

Mängel an Estrichen, insbesondere an Rand- und Trennfugen, sollten möglichst von vornherein durch fachgerechte Planung und das richtige Augenmerk bei der Ausführung auf der Baustelle vermieden werden. Dieser Beitrag soll dazu Praxistipps geben, wobei vor allem Aspekte aus dem Geschosswohnungsbau und vergleichbaren Bauten betrachtet werden; diese Gebäudetypen sind in der Regel „anfällig“ für Fehler im Estrich bzw. werden Fehler dort am häufigsten beklagt.

Auszug aus:

der bauschaden
Ausgabe Februar / März 2020
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Bei der Schallentkopplung von Estrichen kommt es in der Praxis noch immer häufig zu Planungs- und Ausführungsfehlern. Dies ist umso verwunderlicher, als schwimmende Estriche schon seit Jahrzehnten zu den Standard-Baukonstruktionen gezählt werden können. Die flächenhafte Ausführung der Estriche ist dabei in der Regel wenig – wenn auch nicht vollständig – mangelanfällig und mangelbehaftet. Vielfach treten Mängel hingegen an den Estrichrandfugen sowie an den in der Fläche befindlichen Trennfugen auf.

 

Estrichplanung

Oft werden bereits in der Planungsphase des Estrichs – sofern er überhaupt im klassischen Sinn geplant wird – die ersten Fehler begangen bzw. erste Fehleinschätzungen getroffen. Dies beginnt bereits beim Fußbodenaufbau. Häufig werden Ausgleichschichten zwischen Rohdecke und Trittschalldämmung zu gering dimensioniert. Als Konsequenz ergeben sich bei Leitungskreuzungen Zwangspunkte. Entweder wird dann die Rohdecke ausgestemmt, um Raum für den Kreuzungspunkt zu schaffen, oder die Trittschalldämmung wird beim Verlegen zusammengedrückt. Eine Trittschalldämmung ist jedoch grundsätzlich flächig, lückenlos, in einheitlicher Dicke sowie ohne Vorkomprimierung einzubauen. Eine Abdeckung mit einer überlappenden PE-Folie vor dem Einbau des Estrichs ist obligatorisch.

In der Praxis haben sich folgende Dicken für Ausgleichsschichten bewährt:

  • in Gebäuden ohne Fußbodenheizung: 5 cm
  • in Gebäuden mit Fußbodenheizung: 7 cm

Auf diesen Ausgleichsschichten kann dann, nachdem die Aussparungen für die Leitungsführung mit einer Schüttung verfüllt wurden, eine flächige Trittschalldämmung verlegt werden.

Zudem ist nach Einführung der „neuen“ DIN 4109 aus den Jahren 2016 und 2018 zu beachten, dass bei Nachweisführung gemäß DIN 4109-2 („Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen“) und mitgeltender Normteile nun bei der Berechnung des zu erwartenden bewerteten Norm-Trittschallpegels neben der flächenbezogenen Masse der Rohdecke auch die flächenbezogenen Massen der flankierenden Bauteile (in der Regel Wände) im Empfangsraum mit eingehen.

Weiterhin sollte bedacht werden, dass auch die um 3 dB „verschärfte“ Anforderung von L’n,w = 50 dB nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht. Hier sieht die Rechtsprechung weiterhin einen Wert von L’n,w = 46 dB als üblich für den Standard-Wohnungsbau an.

Eine Rohdeckenstärke von 20 cm Stahlbeton ist damit fast unumgänglich. Es ergeben sich dann unter Berücksichtigung aller Schichten im Fußbodenaufbau Aufbaustärken (OK RD bis OK FF) zwischen 16 und 18 cm. Bei Bauherren führt dies nicht selten zu Diskussionen über „zu dicke Decken“, es dient jedoch der Ausführungssicherheit und führt bei mangelfreier Ausführung und mit den entsprechenden flankierenden Bauteilen zum Erreichen der Zielvorgaben.

Zur mangelfreien Ausführung zählen aber eben auch ganz wesentlich die Estrichrand- und -trennfugen, da sie das vollständige „Schwimmen“ des Estrichs auf der Dämmschicht, entkoppelt von den Wänden, überhaupt erst ermöglichen. Es ist wichtig, dass dieses „Schwimmen“ auch in der Gebrauchsphase des Bauwerks mangelfrei, also ohne Schallbrücken in der Randfuge, gewährleistet ist.

Die Fugen werden in der Planung jedoch erfahrungsgemäß regelmäßig vernachlässigt, da oftmals davon ausgegangen wird, dass der Estrichleger diese „automatisch“ ausführt. Dennoch gibt es auch hier in der Planung bereits einige Dinge zu beachten. Der Randdämmstreifen wird meist als PU-Schaumstreifen ausgeführt, er ist aber auch als Mineralwolle-Streifen erhältlich. Zunächst ist der Mineralwolle-Streifen zwar teurer und aufwendiger einzubauen, er bietet aber aufgrund seiner etwas größeren Dicke zusätzliche Sicherheit gegen Körperschallbrücken. Auch in Bezug auf den Brandschutz ist ein nicht brennbarer Mineralwolle-Streifen sicherer, da er einen Schwelbrand der meist aus EPS bestehenden Trittschalldämmung und der Ausgleichsschicht – sogenannte Brandverschleppung – verhindern kann.

Eine ausreichende Anzahl Trennfugen in der Estrichplatte gewährleistet neben einem möglichen Dehnungsausgleich, dass Luftund Trittschallanteile nicht über die Estrichplatte von Raum zu Raum übertragen werden. Die Aufstellung von Trennwänden auf dem Estrich (die häufig mit gewünschter Flexibilität vom Bauherrn begründet und durchgesetzt wird), ist schalltechnisch ungünstig, sowohl in Bezug auf Luft- als auch auf Trittschalldämmung. Ein raumweiser Einbau des Estrichs und Trennfugen im Bereich unter dem späteren Türblatt werden angeraten.

Die mit der Ausschreibung der Leistungen betraute Person sollte sich außerdem nicht scheuen, in den Vorbemerkungen des Leistungsverzeichnisses oder auch in den Leistungstexten eindeutige Hinweise zur erwarteten Ausführung des Estrichs zu geben. Hier sollten die Hinweise zur vorgeschriebenen Verlegeform der Trittschalldämmung enthalten sein, ebenso ein Hinweis, dass Randdämmstreifen in den Raumecken und an sonstigen Richtungswechseln keine Radien aufweisen dürfen, sondern scharfkantig abgewinkelt eingebaut und ausreichend an der Wand fixiert werden müssen, um ein Verwerfen zu verringern. Auch auf die Dehn- und Trennfugenprofile und deren korrekten Einbau sollte noch einmal textlich hingewiesen werden.

Es ist nach Erfahrung des Verfassers jedoch nicht ausreichend, ausschließlich im Leistungsverzeichnis des Estrichlegers auf die Randfugen hinzuweisen. Auch Nachfolgegewerke (Fliesenleger, Parkettleger, Maler etc.) sind auf Sinn und Zweck des Randstreifens hinzuweisen. Ein „Überarbeiten“ der Fuge mit Fliesen, Parkett usw. ist unbedingt zu vermeiden, ebenso ein frühzeitiges Abschneiden des überstehenden Randstreifens vor Verlegung harter Bodenbeläge. Es ist dem Verfasser durchaus auch bekannt, dass die Praxis üblicherweise anders aussieht. Dies führt in der Regel aber durch aushärtenden Kleberoder Mörteleintrag zur Überbrückung der Randfuge, wodurch die Estrichplatte schalltechnisch an die Wand angekoppelt wird. Eine schalltechnisch unbedenkliche Ausführung der Randfuge ist in Bild 1 gezeigt.

Es wird zudem dazu geraten (auch bei Fließestrichen, die gerne wohnungsweise eingebaut werden), Trennfugen zwischen den einzelnen Räumen zwingend vorzusehen. Sollten diese Fugen nicht existieren und ist in der zusammenhängenden Estrichplatte eine Körperschallbrücke vorhanden, wird diese bei jedem Begehen der Estrichplatte Schallanteile in die Baukonstruktion eintragen. Eine Ortung ist in diesem Fall umso schwerer durchzuführen, denn bei raumweisem Einbau lässt sich der Schadensort meist auf einen bestimmten Raum eingrenzen.

 

Planungsfehler

Immer wieder tauchen bereits in Planunterlagen Fehler auf, die bei entsprechender Umsetzung einen späteren schalltechnischen Mangel nach sich ziehen. Nachfolgend wird dazu ein Beispiel aus einem Mehrfamilienhaus mit hochwertigen Wohnungen beschrieben. Hier war eine Randfuge praktisch nicht existent und wäre – bei Ausführung wie im Bild 2 – ohnehin ohne Funktion gewesen.

In Bild 2 ist deutlich zu erkennen, dass unter dem Estrich im Bereich des Stahlbeton-Überzugs keine Trittschalldämmung eingeplant wurde. Ein Begehen der Estrichplatte führt damit zu einer unmittelbaren Körperschalleinleitung in die tragende Baukonstruktion und zu entsprechender Störung in den angrenzenden eigenen und fremden Wohnbereichen. Zudem wäre die Estrichplatte im Bereich der Dickenänderung bruchgefährdet.

Auch die angestrebte Verbesserung des Details mit einer 10 mm dicken Trittschalldämmung (Bild 3) ist nicht die Lösung des Problems. Erstens ist eine Trittschalldämmung in dieser Dicke nach Kenntnis des Verfassers nicht erhältlich, zweitens würde sie vermutlich nicht über die erforderliche dynamische Steifigkeit s‘ [MN/m³] verfügen, um ausreichend zu entkoppeln, und drittens wäre die verbleibende flächenbezogene Masse der Estrichplatte (mindestens 70 kg/m²) nicht erreicht. Die Bruchgefahr bestünde weiterhin.

Im vorliegenden Fall wäre z. B. ein Hochführen des Überzugs auf die Höhe der OK Estrichplatte sinnvoll. Das Heranführen der Estrichplatte an den Überzug (mit Randdämmstreifen) und ein Verzicht auf die Trittschalldämmung auf dem Überzug wären nach Ansicht des Verfassers in diesem Fall vertretbar, da eine starke und häufige Trittschallanregung des verbleibenden Überzugs nach Einbau der Fenstertür aufgrund der geringen Auftrittsbreite sehr unwahrscheinlich ist.

Thermische Probleme mit diesen Anschlusspunkten sollen hier nicht weiter betrachtet werden.

 

Auswirkung von Schallbrücken

Die Auswirkung von Körperschallbrücken auf den bewerteten Norm-Trittschallpegel lässt sich relativ schwer quantifizieren. Aufgrund der Vielzahl möglicher Schallbrücken mit unterschiedlichen geometrischen und mechanischen Eigenschaften sind Auswirkungen von „gerade messbar“ bis „äußerst gravierend“ möglich. In der Literatur ist hierzu beispielsweise die Aussage zu finden, dass eine Verschlechterung um 10 bis 20 dB je nach Einfluss der Schallbrücken möglich ist.

Es ist zudem zu beachten, dass Schallbrücken im Estrich sich nicht ausschließlich auf die Trittschalldämmung auswirken. Durch Schall-Längsleitung kann es auch zu einer Reduzierung der Luftschalldämmung zwischen unterschiedlichen Räumen kommen, wenn Schallanteile über die Estrichplatte und die Randfuge in trennende bzw. flankierende Bauteile eingetragen und im Empfangsraum als Luftschall abgestrahlt werden.

Gerade bei weichen Bodenbelägen (Teppich o. Ä.) fällt der Verdacht auch nach einer Trittschallmessung häufig zunächst nicht auf den Estrich bzw. die Randfuge, weil der Teppich den „Nachteil“ der Körperschallbrücke oft ausgleicht und ein Trittschallproblem an der Messkurve nicht sofort erkannt wird. Ein typisches Beispiel hierfür sind Schallübertragungen von Hotelfluren in Hotelzimmer bzw. auch von Hotelzimmern untereinander, wenn die Trennfugen unter den Türblättern nicht oder nur unzureichend ausgebildet wurden.

 

Estrichausführung

Je genauer und eindeutiger die Anforderungen und Bauweisen definiert sind, desto einfacher ist eine Überwachung durch die Bauleitung und desto weniger Diskussionspunkte ergeben sich während oder nach der Ausführung.

Wie einleitend bereits bemerkt, treten in der Fläche relativ wenige Mängel auf. Anfälliger sind in jedem Fall die Estrichfugen. Die Ursachen für Körperschallbrücken sind hier vielfältig und, wie ebenfalls schon beschrieben, nicht immer ausschließlich auf den Estrichleger zurückzuführen:

  • Eine zu geringe Höhe des Randdämmstreifens hat zur Folge, dass der Estrich beim Einbau gegen die Wand fließt.
  • Lücken zwischen den Randdämmstreifen führen dazu, dass der Estrich gegen die Wand und/oder auf die Rohdecke fließt.
  • Die Estrichplatte durchdringende Leitungen, z. B. von Heizkörperanschlüssen, werden nicht von der Estrichplatte entkoppelt.
  • Wird der Randdämmstreifen vor dem Verlegen eines harten Bodenbelags entfernt, stößt der Bodenbelag an die Wand und/oder der Kleber des Bodenbelags überbrückt die Randfuge.
  • Wird der Randdämmstreifen vorzeitig abgeschnitten, verkeilen sich Steinchen/Mörtelreste in der Randfuge.

Die Folge all dieser beschriebenen – leider häufig vorgefundenen – Szenarien sind Körperschallbrücken. Beim Begehen der Estrichplatte wird dann zwangsläufig ein Trittschallanteil über die Körperschallbrücke in die Baukonstruktion eingetragen und weitergeleitet. In der Regel werden solche Störungen durch Trittschallgeräusche relativ bald nach Inbenutzungnahme des Gebäudes bemerkt und gerügt.

Es muss hierbei jedoch zwischen zwei Szenarien unterschieden werden:

Bei nahezu jedem Estrich (auch beim mangelfreien) treten akustisch/physikalisch kaum vermeidbare tieffrequente, dumpfe Geräusche auf. Dies wird besonders beim Begehen eines Estrichs (vornehmlich bei Kindern und leichten Personen und beim Barfußlaufen im Fersengang auf dem Fußboden) deutlich und hängt mit der Resonanzfrequenz des Fußbodenaufbaus (beim Estrich auf Trittschalldämmung handelt es sich um ein Masse-Feder-System) zusammen, die bei üblichen Estrichen und Dämmschichten zwischen ca. 60 und 110 Hz liegt. In diesem Bereich wird meist keine ausreichende Trittschalldämmung erzielt, es gibt derzeit jedoch auch keine wirtschaftlich vertretbare, zufriedenstellende Lösung für dieses Problem. Bei bauakustischen Messungen werden tiefe Frequenzen unter 100 Hz zudem nicht bewertet, sodass sich tieffrequente Störungen derzeit nicht im Sinne einer Schallschutz-Norm quantifizieren lassen.

100 Hz zudem nicht bewertet, sodass sich tieffrequente Störungen derzeit nicht im Sinne einer Schallschutz-Norm quantifizieren lassen.

Auch Durchführungen von Heizkörperanschlussleitungen durch den Estrich haben sich als neuralgische Punkte herausgestellt. Oft wird die Rohrleitung vor dem Einbringen des Estrichs nur mit einem Randdämmstreifen umwickelt. Durch die Fugen fließt dann Zementschlämme bis an die Rohrleitung heran und bildet eine Körperschallbrücke. Richtig wäre hingegen die Ausführung mit einer Rohrleitungsdämmung (Bild 4), die vor dem Estricheinbau bis deutlich über die geplante Oberkante des Estrichs geführt und nach dem Aushärten des Estrichs abgeschnitten wird.

Es sollte also vonseiten der Bauleitung tunlichst darauf geachtet werden, dass die Ausführung des Estrichs fachgerecht erfolgt und alle im Leistungsverzeichnis genannten Punkte aufgegriffen wurden. Gegebenenfalls können nach dem Einbau des Estrichs Trittschall-Kurzmessungen durchgeführt werden, um die Ausführungsqualität zu prüfen. Aus den Messergebnissen lassen sich Rückschlüsse auf das Vorhandensein von Körperschallbrücken ziehen. So kann gegebenenfalls rechtzeitig gegengesteuert und korrigiert werden. Zudem sind in der Bauphase, in der diese Messungen in der Regel durchgeführt werden, meist noch nahezu alle Fugen im Estrich erkennbar und zugänglich.

Deuten die Messergebnisse nicht auf Mängel im Estrich hin, kann, falls später ein Trittschallproblem auftritt, eine Mangelhaftigkeit der Estriche selbst ausgeschlossen werden. Der Mangel ist dann meist auf ein Nachfolgegewerk zurückzuführen, von dem z. B. die Randfuge überbrückt oder eine Trennfuge überfliest wurde.

 

Ursachenforschung und Mangelbeseitigung

Die Ursachenforschung beim Vorliegen von Körperschallbrücken gestaltet sich, gerade nach erfolgtem Ausbau, häufig schwierig. Entgegen landläufiger Meinung ist es nicht möglich, mit einer einzigen Messung unmittelbar auf die Stelle der Körperschallbrücke in einer Estrichplatte zu schließen. Messungen des Trittschallpegels können aber einen ersten Anhaltspunkt liefern, ob überhaupt Körperschallbrücken vorliegen. Die weitere Ortung kann dann z. B. durch Abklopfen der Estrichplatte mit einem Gummihammer geschehen (das Klangbild ändert sich in der Nähe der Körperschallbrücke) oder mittels Körperschallaufnehmern und Anregung der Estrichplatte mit einem kleinen Hammer. Aus der Laufzeitdifferenz der Signale kann dann die Lage der Körperschallbrücken relativ genau bestimmt werden.

In den Bildern 5 und 6 sind zwei Messkurven gezeigt, von denen die erste einen mangelfreien Estrichaufbau zeigt, die zweite hingegen einen Estrichaufbau mit einer linienförmigen Körperschallbrücke (teilweise überflieste Randfuge).

Die Mängelbeseitigung gestaltet sich – wie es bei schalltechnischen Mängeln häufig der Fall ist – meist aufwendig und kostenintensiv. Zunächst muss die mangelhafte Stelle entweder durch Messung (siehe oben) oder durch das Freilegen der Randfugen im gesamten Raum bzw. bis zum Fund der Schadstelle(n) gefunden werden. Gegebenenfalls muss der betreffende Raum komplett geräumt werden, um alle Randfugen erreichen zu können – bei Einbauküchen beispielsweise kann dies schnell zum erforderlichen Rückbau der gesamten Unterschränke und Hochschränke führen.

Anschließend muss die Schallbrücke entfernt und der Fußbodenaufbau mangelfrei wiederhergestellt werden. Dies ist bei den meisten Bodenbelägen, die fixiert oder verklebt sind, nicht ohne Beschädigung der Oberflächen durchführbar. Schließlich ist ein Anarbeiten des Bodenbelags bzw. der Randleisten/-fliesen o. Ä. erforderlich, um den Nutzungszustand des Raums wiederherzustellen.

Werden Schallbrücken in der Fläche des Estrichs gefunden, ist unter Umständen ein – teilweiser – Neueinbau des Estrichs erforderlich, der nochmals weit aufwendiger und kostenintensiver ist als eine Fehlersuche im Bereich der Rand- oder Trennfugen.

 

Fazit

Planung und Ausführung schwimmender Estriche sollten nicht als „Selbstläufer“ angesehen werden. Eine schlüssige und gründliche Ausführungsplanung von Fußbodenaufbau, Rand- und Trennfugen sowie Bodenbelagsarbeiten, Hinweise in den Vorbemerkungen der Leistungsverzeichnisse sowie konkrete Beschreibungen des Aufbaus in den Leistungstexten sollten grundsätzlich vorhanden sein.

Schallbrücken im Randfugenbereich und flächig in der Estrichplatte sind in jedem Fall vollständig zu vermeiden. An dieser Stelle ist eine gründliche Überwachung durch die Bauleitung – die ein Bewusstsein für die Wichtigkeit des Gewerks haben muss – vonnöten.

Sollten sich bei der Planung Zweifel ergeben, wie Details oder Fußbodenaufbauten generell ausgeführt werden müssen, um die schalltechnischen Anforderungen im Gebäude zu erreichen, ist die Beratung durch einen Bauakustiker sinnvoll.

Bestehen nach der Ausführung des Estrichs Zweifel an der Qualität, können zur Qualitätssicherung Trittschall-Kurzmessungen durchgeführt werden.

Durch diese Vorgehensweise lassen sich Trittschall- und Luftschallprobleme durch nicht fachgerecht ausgeführte Estriche, insbesondere deren Randfugen, vermeiden.

Literatur

Normenreihe DIN 4109 Schallschutz im Hochbau, Ausgaben Juli 2016

Normenreihe DIN 4109 Schallschutz im Hochbau, Ausgaben Januar 2018

Fischer, H.-M., et al.: Lehrbuch der Bauphysik: Schall – Wärme – Feuchte – Licht – Brand – Klima. 6. aktual. u. erw. Aufl., Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 2008

Zur Person

Dipl.-Ing. (FH) Guido Dietze absolvierte nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der FH Hildesheim den Studiengang Bauphysik an der HfT Stuttgart. Von 2002 bis 2013 war er für ein Bauphysikbüro in Schorndorf (Württemberg) als Projektingenieur tätig, bevor er 2013 ein Bauphysikbüro in Hildesheim gründete.

Von 2006 bis 2014 war er zudem als Lehrbeauftragter und Vertretungsprofessor für Bauphysik an der HAWK in Hildesheim tätig.

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